Norwegen ist ein absolutes Traumland für Roadtrips! Schmale und wenig befahrene Strassen, jede Menge spektakuläre Haarnadelkurven und atemberaubende Landschaften – hier erlebt man fantastische Naturphänomene wie Gletscher, Fjorde, reissende Flüsse, Wasserfälle und mächtige Felsformationen hautnah. Dabei darf eine Wanderung zum imposanten Felssockel Preikestolen, der Besuch der farbigen Holzhäuschen in Bergen und des Dörfchens Geiranger und seines gleichnamigen Fjords ebenso nicht fehlen wie eindrückliche Tierbeobachtungen auf der Vogelinsel Runde und im Nationalpark Dovrefjell. Die Haarnadelkurven am Trollstigen runden den Roadtrip zu einem unvergleichlichen Reiseerlebnis ab.

Es ist kaum möglich, Fjordnorwegen zu beschreiben, man muss es erlebt haben. Blaue Fjordschönheiten, an denen Gletscher ins Tal drängen, glasklares Wasser und Berge, die in den Himmel wachsen. Die Region ist vor allem eins: ein Gefühl. Das Gefühl sich inmitten unberührter Natur klein und überwältigt zu fühlen. Kommen Sie mit nach Fjordnorwegen und erleben Sie die Region mit einem Camper individuell und intensiv. Dank dem geltenden Jedermannsrecht lässt sich fast überall übernachten. Sehnt man sich nach einer warmen Dusche oder braucht Strom, übernachtet man auf einem der unzähligen Campingplätze, die in der Regel gut ausgestattet sind.

Mein Spartipp: Mieten Sie Ihr Wohnmobil bereits in Norddeutschland an. In zwei bis drei Tagen erreichen Sie ohne Hast Norwegens Hauptstadt Oslo – entweder über die dänische Vogelfluglinie und Westschweden oder direkt per Fähre in gut 20 Stunden ab Kiel in die norwegische Hauptstadt.

In einem Tag lassen sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Oslos anschauen. Da wäre zum Beispiel der Besuch des Opernhauses, dem neuen Wahrzeichen der Stadt. Es ist nicht nur das spektakulärste Gebäude Oslos, es zählt auch zu den aussergewöhnlichsten Opernhäusern der Welt. Im April 2008 wurde es nach einem Entwurf von Snøhetta fertiggestellt. Oder bummeln Sie entlang der Prachtstrasse Karl Johans Gate, wo sich die wichtigsten repräsentativen und historischen Gebäude befinden: die Domkirche, die Universität, das Parlamentsgebäude und das Nationaltheater. Den Abschluss der Strasse bildet das schmucke Königsschloss, wo Sie nachmittags die Wachablösung mitverfolgen können. Wie es sich für eine Flaniermeile gehört, finden Sie hier auch internationale Restaurantketten, Souvenirshops und Boutiquen.

Nach einem ausgedehnten Tag in Oslo geht’s raus in die Natur und nordwärts in die wohl sportlichste Stadt Norwegens Lillehammer. Nebst den Olympischen Stätten inklusive Grossschanze und dem Olympiamuseum, das die Spiele aus dem Jahr 1994 schön dokumentiert, bietet die Kleinstadt eine idyllische Einkaufsstrasse und einen netten Stadtpark mit gutem Parkcafé. Im Freizeitpark «Lilleputthammer» erfreuen sich kleine wie auch grosse «Kinder» an den vielen Fahrgeschäften und Aktivitäten. Auf keinen Fall verpassen sollte man aber das überaus entzückende «Det Lille Pannekakehuset». Hier lässt sich besonders gut mit Kaffee und Pfannenkuchen in den Tag starten.

Auf dem weiteren Weg nach Dombås lohnt sich ein Halt in Ringebu. Besuchen Sie eine der heute noch bestehenden 28 Stabkirchen Norwegens. Dass die Methode und Tradition der Holzschnitzerei immer weiterentwickelt wurde, haben wir den Wikingern und ihrem Interesse am Boots- und Hausbau zu verdanken. Diese Arbeit gipfelte im Bau der Stabkirchen. Es gibt unterschiedliche Arten von Stabkirchen. Alle aber haben etwas gemeinsam: die Eckmasten und ein Balkengerüst mit auf Schwellen ruhenden Wandbohlen. Diese Wände nennt man auch Stabwände – daher der Name Stabkirche. Unweit von Dombås lohnt sich ein Abstecher in den Dovrefjell Nationalpark, wo man auf einer geführten Wanderung freilebende Moschusochsen beobachten kann. Diese grossen und bis zu 400 Kilogramm schweren Huftiere passen sich optisch fast vollständig ihrer Umgebung an und sind daher ohne Guide schwer ausfindig zu machen. Die Chance ist zudem gross, auf der Wanderung auch Rentiere und Schneehühner zu sehen.

In Åndalsnes angekommen, müssen Sie sich entscheiden. Mehr Meer, Stadtfeeling und Papageientaucher oder Pässefahrt mit kurvigen Strassen, spektakuläre Ausblicke und der Besuch des berühmten Geirangerfjords. Wer viel Zeit mitbringt, kann auch mit Umwegen beides in seine Traumreise packen.

Die Meerroute führt Sie über Kristiansund und die spektakuläre Atlantikstrasse, die sich über kleine, dem Festland vorgelagerte Inseln über Brücken schlängelt, nach Ålesund.

Anders als in anderen norwegischen Städten gibt es in Ålesund kaum Holzhäuser. Nach einem Grossfeuer im Jahre 1904 wurde die Stadt im damals modernen Jugendstil neu aufgebaut. Um weitere Brände zu vermeiden, verwendete man Stein statt Holz als Baumaterial. Das «Jugendstilsenteret» in der ehemaligen Schwanenapotheke gibt einen guten Überblick über den Grossbrand sowie den Jugendstil. Diesem Unglück verdankt Ålesund heute die grösste Dichte an Jugendstilhäusern in Europa. Verpassen Sie nicht den Blick von oben. Vom Hausberg Aksla aus haben Sie einen fantastischen Blick auf das städtische Kleinod und Umgebung.

Die Vogelinsel Runde ist ein kleines Paradies für Ornithologen und so kann ich nur empfehlen, den kleinen Schlenker einzubauen. Hier brüten von Mai bis August die Papageientaucher und nach einem kurzen Marsch kommt man den putzigen Meervögeln sehr nahe, um sie zu beobachten und zu fotografieren.

Die innere Route führt von Åndalsnes zuerst durchs liebliche Valldal, dem nördlichsten kommerziellen Obstanbaugebiet Europas. Hier wachsen Morellen, Himbeeren und an den sonnigen Hängen von Linge sogar Aprikosen und Weintrauben. Besonders berühmt ist Valldal wegen seiner tiefroten Erdbeeren, die am Strassenrand auf Käufer warten. Ein paar Minuten später geht’s in elf Serpentinen 800 Meter den Trollstigen hoch auf den Pass. Vom Aussichtspunkt sieht man erst so richtig, in welche Höhen einen die Haarnadelkurven bringen. Etwas weiter öffnet sich der Blick zum wohl berühmtesten Fjord Norwegens, der seit über 10 Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe gehört: Rund um den Geirangerfjord kann man schöne Wanderungen unternehmen und von überall ist der Blick hinunter in den Fjord einmalig. Durchs Touristen-Gewusel im Dorf Geiranger – vor allem wenn 3 oder 4 Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen – steigt die Strasse auf der anderen Seite wieder an und gipfelt auf dem Dalsnibba, einem Aussichtspunkt auf 1500 Metern über Meer.

Wer die Meerroute bevorzugt hat, wird spätestens in Olden wieder auf die gleiche Strecke einbiegen. Norwegen ist nicht nur bekannt für seine Fjorde, sondern auch für seine Gletscher. Mit rund 500 Quadratkilometern und etlichen Gletscherarmen ist der Jostedalsbreen der grösste Gletscher auf dem europäischen Festland. Ganz hinten im Oldental führt ein gut ausgeschildeter Wanderweg zum schönen Brikdalsbreen, der sich aber wie so viele Gletscher in den letzten Jahren zurückgebildet hat.

Am grössten Fjord Norwegens, dem Sognefjord warten rechts und links seines Ufers unzählige Abenteuer. Herausheben möchte ich das Örtchen Flåm. Die 400-Seelen-Gemeinde liegt am hintersten Zipfel vom Aurlandsfjord. Die Ortschaft hat dank der Anbindung mit der Flåmsbahn und als beliebtes Kreuzfahrtschiff-Ziel ganzjährig unzählige Tagestouristen.

Der beste Spot für ein Erinnerungsfoto ist die Stegastein Aussichtsplattform hoch über Aurland. Das Bauwerk ragt abenteuerlich 30 m über die Bergwand hinaus und bietet einen tollen Ausblick auf den Aurlandsfjord. Nicht nur das Bauwerk, sondern auch die Strasse dorthin sorgt für atemberaubende Momente. Die halsbrecherischen Kurven zwischen Aurland und Lærdal sind nicht jedermanns Sache. Alternativ fährt alle 1.5 Stunden ein Bus.

Wer sich gerne zur Abwechslung sportlich betätigen möchte, dem sei eine Kayaktour auf dem Nærøyfjord empfohlen. Der schmalste Fjord Europas ist gerade mal 250 Meter breit. Hier erwarten Sie steile Felswände, wo Wasserfälle ins Meer rauschen und grüne Täler – Postkartenidylle und wahres Naturparadies zugleich, welches wie der Geirangerfjord zum UNESCO Weltnaturerbe zählt.

Nach einem kurzen Besuch beim drittgrössten Wasserfall Europas, dem Voringsfossen ist es nicht mehr weit bis nach Bergen. Hier wartet ein Kontrastprogramm zu den letzten Tagen: Bummeln, Eis essen oder in einem der vielen Cafés einkehren. Vor allem die Fronten der alten Handelskontore von Bryggen sind dank Restauration gut erhalten geblieben. Bunte Holzhäuser, so stellt man sich norwegische Städte vor. Künstler, kleine Boutiquen und exquisite Restaurants runden das idyllische Bild ab. A propos Restaurant - im Bekkjarvik Gjestgiveri, eine Stunde südlich von Bergen, geniessen Sie fangfrischen Fisch und andere Köstlichkeiten aus dem Meer.

In Stavanger lohnt sich ein letzter Abstecher zum Preikestolen. Die 4-stündige Rundwanderung verläuft zuerst durch den Wald, später durch ein kleines Sumpfgebiet, dann an mehreren Bergseen vorbei und plötzlich steht man vor ihr: 604 Meter über dem Lysefjord thront die Felsplattform Preikestolen. Das Fesselnde daran: an der Kante fällt der Felsen nahezu senkrecht zum Wasser ab - ohne Geländer wohlgemerkt. Das Erinnerungsbild wird Sie noch lange an diesen einzigartigen Roadtrip erinnern.

Impressionen

Aufgezeichnet von Michael Bachmann
Weitere Reisebilder unter www.kissed-by-nature.com