Lago di Como: Diese Frühlingstour sollte man nie in der Hauptsaison fahren, denn da wird aus dem erbaulichen Kurvenswing ein nerviges Stop and Go.

Die oberitalienischen Seen sind in der Nebensaison noch wenig frequentiert. Umso besser für uns Töffler. Denn diese Region bietet ideale Bedingungen für einen erbaulichen Frühlingseinstand. Denn geologisch stellen die Voralpenseen fjord­ähnliche Ausläufer des adriatischen Mittelmeeres dar. Und der Comer See liegt nur 200 m über dem Meeresspiegel! Aus diesem Grund kann man mit milden Temperaturen rechnen. Gerade bei Wetterlagen, in denen es bei uns recht unfreundlich sein kann, finden wir in den südlichen Voralpen oft optimales Töffwetter.

Entspannt in die Zielregion
Die Region ist über den Fahrzeugverlad Vereina und die Maloja-Passstrasse auch bei Schlechtwetterlagen im Frühjahr ohne Megastaus am Gotthard und Bernardino erreichbar. Der Malojapass ist übrigens eine topografische Besonderheit, er hat nämlich nur eine Passrampe. Die Ostrampe von St. Moritz bis Silvaplana ist nämlich fast topfeben. Doch dann sieht man auf 1815 Metern plötzlich in der Tiefe einen imposanten Steilabbruch, an den sich eine traumhafte Trasse in 25 Kehren schmiegt. An Werktagen und im Frühjahr, wenn die hohen Pässe noch gesperrt sind, ist diese Variante der Anreise zu den oberitalienischen Seen ein Töffleckerbissen erster Güte.

Dumm nur, dass auch die viel gerühmte Schönheit der Bergeller Bergwelt beachtet werden will – und dafür sind zahlreiche Stopps unerlässlich. Doch auch Chiavenna, der erste grössere Ort Italiens, ist einen Boxenstopp wert. Nicht nur wegen eines leckeren Espresso … denn von der Brücke über die Meira (am Abzweig zum Splügenpass) hat man einen beeindruckenden Blick auf die Häuserfassaden der Altstadt, die scheinbar an die Kante des Steilufers geklebt wurden.

Einmal rund um das Ypsilon
Jeder Motorradfahrer hat seine eigene Motivation an den Comer See zu fahren: Die einen geniessen die Lebensart der Region, andere schätzen die traumhaft angelegten Villen mit ihren tropisch anmutenden Gärten. Wieder andere pilgern zur Geburtsstätte einer Ikone des italienischen Motorradbaus (zwischen Varenna und Lecco, in Mandello del Lario ist der Stammsitz der Moto-Guzzi-Werke mit seinem tollen Werksmuseum). Aber allen gemeinsam ist das Kurvenerlebnis. Die TÖFF-Routenempfehlung konzentriert sich deshalb auf das «Ypsilon des Comer Sees» und seine gewundenen Ufersträsschen. Aber für die richtig Abenteuerlustigen haben wir auch etwas im Köcher: die Etappe von Dervio nach Premana, Parlasco und Esino-Lario bis Varenna z.B. (GPS-Gratisdownload). Diese Teilstrecke stellt sehr hohe fahrerische Anforderungen: Partiell einspurig und in engen Spitzkehren windet sich die Strasse durch pittoreske Bergdörfer wie Tremenico und Introzzo – und ausserdem oft an schwindelerregen- den Abgründen des Val Varrone entlang.

Auch ein Abstecher nach Westen, auf den Monte la Sighi­gnola (bei Lanzo d’Intelvi) bietet bei klarem Wetter wahrhaft atemberaubende Ausblicke auf Lugano, den See und die Bergwelt (GPS: N: 45° 58.101´; E: 008° 59.529´3). Der eigenen Routenwahl sind also keine Grenzen gesetzt und überdies könnte auch ein Espresso zwischen den Schönen und Reichen aus Mailand an einer der ungezählten Uferpromenaden eine willkommene Abwechslung sein. Oder der Besuch eines der tollen Museen und Ausstellungen rund um den Comer See, wie zum Beispiel das Museo della Barca Lariana oder das Museum für ­Navigationsinstrumente (www.comersee-info.de)


Wo man gerne übernachtet
Porlezza – Camping Ranocchio, sehr schöner Campingplatz am See mit Pool, Restaurant und Einkaufsladen. www.campingranocchio.com
Varenna – Albergo Olivedo: ***-Hotel mit Restaurant. Seit Generationen in Familienbesitz. www.olivedo.it
Tremezzo – Grand Hotel Tremezzo: *****-Luxushotel, direkt am Westufer des Comer Sees. www.grandhoteltremezzo.com

Kurvenspass für Experten
Lago di Como – Allein die Umrundung des Comer Sees und seiner «Ausleger» nach Colico und Lecco ist schon diesen Tourentipp wert. Und die GPX- und Roadbook-Downloads auf unserer Website führen allesamt über spektakuläre, kleine Bergstrassen und sind für Fahrer von Supersportlern nur bedingt empfehlenswert.

Text: Michael Kutschke
www.moto.ch
Fotos: M. Kutschke, Thomas Maccabelli