Faszinierende Nordlichter, imposante Buckelwale und Orcas direkt vor der Haustüre, abenteuerliche Schneeschuh-Wanderungen und ein Bummel durch Tromsø, die nördlichste Stadt Norwegens. Nordnorwegen im Winter macht süchtig. Draussen wie drinnen. Denn wenn’s draussen stürmt, warten drinnen ein interessantes Buch vor einem gemütlichen Cheminée, Zimtschnecken aus dem Ofen und gesundes Schwitzen in der Sauna am Fjord.

Jeden Samstag geht’s im Winterhalbjahr per Nonstopflug aus der Schweiz in knapp vier Stunden in den Norden Norwegens. Die Ankunftsformalitäten sind schnell erledigt und schon hat man sein Gepäck wieder. Draussen stürmt’s. Das ist hier keine Seltenheit. Doch mit einem wintertauglichen und mit Spikes ausgerüsteten Mietwagen sind auch die norwegischen Winterstürme gut zu meistern und bringen einen trockenen Fusses von A nach B. Oder wie bei uns: Vom Flughafen Tromsø auf die benachbarte Insel Kvaløya. Hier habe ich zusammen mit meiner Familie ein Rorbuer direkt am Fjord gemietet. Die umgebauten roten Fischerhäuschen sind mit allem ausgerüstet, was einen Winterurlaub in Nordnorwegen ausmacht: Kuscheliges Wohnzimmer mit Cheminée, eine Holzterrasse mit sagenhaftem Ausblick auf den Fjord und eine Sauna gleich um die Ecke. So lässt sich gut ein oder auch zwei Wochen aushalten. Wenn Sie zwischen Ende November und Mitte Januar hier herkommen, erleben Sie sogar die Polarnacht. Die Sonne schafft es nicht über den Horizont. Das heisst aber nicht, dass es den ganzen Tag stockdunkel ist. Um 10 Uhr dämmert es und zwischen 12 und 15 Uhr herrschen ausgezeichnete Lichtbedingungen, um die Umgebung zu erkunden. Wenn’s wiederum eindunkelt, werden alle langsam nervös.

Die App wird gecheckt, kommt das Nordlicht oder verhüllen dicke Wolken das Spektakel am Himmel? Noch bleibt Zeit für einen oder auch zwei Saunagänge. Zur Abkühlung springt man einfach ins kalte Fjordwasser oder stapft eine Runde barfuss durch den Schnee.

Danach ist Zeit für ein gutes Buch und einen leckeren Kaffee, dazu duftende Zimtschnecken aus dem Backofen. Und immer wandert der Blick nach draussen. Die Chancen stehen heute gut – der Himmel ist klar und die Atmosphäre kalt. Um die erhofften Nordlichter zu sehen, braucht man nur die Türe aufzumachen und sich gleich vor das Häuschen auf die Terrasse zu stellen. Wir haben Glück! Gegen 18 Uhr erhellt sich der Himmel und die Lichter fangen an zu tanzen, das Grün reflektiert im Fjord, was für ein Spektakel! Wenn Sie Polarlichter fotografieren wollen, sollten Sie unbedingt ein Stativ einpacken. Die Bilder verwackeln sonst, da Sie eine lange Belichtungszeit einstellen müssen. Und suchen Sie einen Ort auf, wo die Lichtverschmutzung möglichst gering ist.

Der nächste Tag bringt das nächste Spektakel – nicht am Himmel, sondern zu Wasser. Ein Blas im Fjord lässt unsere Herzen höherschlagen. Buckelwale und Orcas versammeln sich zwischen Oktober und Januar in den Gewässern rund um Tromsø für das grosse Fressen; in dieser Zeit gibt’s hier massenhaft Heringe - die Jagdsaison ist eröffnet. Dieses Schauspiel lässt sich problemlos über einen lokalen Veranstalter per Boot arrangieren oder man hat Glück – wie in unserem Fall – und kann die Wale hautnah und kostenlos vom Ufer aus beobachten, wie sie sich im Kreise formieren, riesige Luftblasen aufsteigen lassen, um die Heringe zu verunsichern, um anschliessend gemeinsam als Walgruppe an die Wasseroberfläche zu schiessen – die Mäuler weit aufgesperrt, um möglichst viel Fisch zu ergattern.

Beschaulicher, aber nicht weniger interessant, gestaltet sich ein Ausflug ins nette Tromsø. 

Das Tor zur Arktis oder auch «Paris des Nordens» ist mit knapp 75’000 Einwohnern die grösste Stadt Nordnorwegens und nicht halb so verschlafen wie man erwarten könnte. Im Gegenteil: Fast 12’000 Studenten, eine sehr lebendige Innenstadt sowie die traumhaft schöne Natur rund um den Ort sorgen dafür, dass es einem nicht langweilig wird. Das Zentrum kann bequem zu Fuss erkundet werden. Die Trottoirs sind dank integrierter Heizung schneefrei. Zu entdecken gibt es in der Altstadt unter anderem die nördlichste Brauerei Macks, die Domkirche in der Stadtmitte und das alte Bryggen-Quartier, wo sich auch das Polarmuseum befindet. Wer sich für die Geschichte der Polarexpeditionen interessiert, sollte einen Blick ins Museum werfen, das von der Universität Tromsø betrieben wird. Hier erfahren Sie alles über die verschiedenen Polarexpeditionen, über Eisbären und Forscher wie Roald Amundsen. Ebenso lohnt sich ein Besuch des Polaria, wo zum Beispiel Filme über Spitzbergen und die Nordlichter gezeigt werden. Auf dem arktischen Rundgang erfährt man, wie sich das Schmelzen des Eises auf die Natur auswirkt. Auch die heimischen Fische der Barentsee und Bartrobben lassen sich hier bewundern.

Natürlich darf in Tromsø auch ein Besuch der Eismeerkathedrale, der nördlichsten Kathedrale der Welt, nicht fehlen, die durch ihr 23-Meter hohes Glasmosaik beeindruckt. Sowohl im Sommer- als auch im Winterhalbjahr finden regelmässig Konzerte statt.

Von hier aus und mit etwas Zeit und Ausdauer könnte man gleich noch den Hausberg Storstein erklimmen. Bequem auch per Luftseilbahn Fjellheisen erreichbar. Oben gibt es den Postkartenblick über die Stadt mit der markanten Bogenbrücke und der Eismeerkathedrale. Mit etwas Glück kann man im Winter von hier oben gleichzeitig die tanzenden Nordlichter über der beleuchteten Stadt ablichten. Tipp: Kaufen Sie das Ticket nicht erst beim Fahrer, sondern holen Sie es zum Beispiel im Narvesen Shop, worauf sich die benötigten Fahrten laden lassen. Das macht den Ausflug deutlich günstiger, statt 50 NOK zahlen Sie noch 30 NOK pro Strecke.

Zurück in der Stadt und vor der Rückfahrt ins heimelige Häuschen auf Kvaløya empfehle ich Ihnen noch eine verdiente Kaffeepause im Risø, wo Sie einen herrlichen Café Latte mit Milchschaumverzierung, ein leckeres Stück Apfelkuchen und eine gemütliche Sitzecke mit Ausblick auf die Strasse bekommen. Tromsø bietet ausserdem diverse Möglichkeiten, um sich den Bauch vollzuschlagen, ein besonders beliebter Ort ist Emmas Traumküche - Drømmekjøkken - gleich gegenüber der grossen Kirche. Hier serviert Emma lokale Spezialitäten. Wie wär’s mit Rentierfilet, Sellerie-Kartoffelpüree und Blaubeersauce? Und zum Dessert ein Zitronensorbet mit Wodka. Essen ist in Norwegen generell teuer, die Preise bei Emma sind im Vergleich dazu fair, die Qualität des Essens ist hervorragend und das Team nett.

Falls Sie für Ihre Reise in den hohen Norden nach noch mehr Abwechslung suchen, in Tromsø und der weiteren Umgebung gibt es unzählige Aktivitäten, die Sie unternehmen können. Ob eine Hundeschlittenfahrt, ein Besuch einer Rentierfarm oder eine rasante Fahrt auf einem Schneemobil – bestimmt finden Sie ein Erlebnis, das genau Ihrem Geschmack entspricht.


So kommen Sie hin:              
nonstop mit Edelweiss nach Tromsø und weiter mit Mietwagen

Wie lange soll ich hin:          
1 – 2 Wochen

Beste Reisezeit:                    
Winterhalbjahr, Polarnacht vom 20. November bis 20. Januar

Übernachtungstipp:             
https://lauklines.no/en/

Veranstalterpaket:               
www.kontiki.ch

Highlights:                            
Polarlichter, Buckelwale und Orcas, Hüttenromantik

Ausflugstipp:                        
Tromsø, mehr Aktivitäten unter www.getyourguide.ch

Restauranttipp:               
http://www.risoe-mk.no

Mehr Infos:                           
https://www.visittromso.no

 

Aufgezeichnet von Michael Bachmann
Weitere Reisebilder unter www.kissed-by-nature.com​​​​​​​​​​​​​​