Der Gedanke an Island weckt vertraute Assoziationen: Hip-Stadt Reykjavík, die Blaue Lagune, oder vielleicht auch Stars wie Björk oder Sigur Rós. Doch dieses Land der blubbernden Schlammpfühle, kochenden Geysire, Gletscher und Wasserfälle ist ein wahrer Abenteuerspielplatz. Im Winter noch mehr. Die Dunkelheit bietet zwischen September und April ein grandioses Naturschauspiel: die Aurora Borealis. Und wenn die Wasserfälle vor Kälte zu Eissäulen erstarren, Flüsse gefrieren, und der Schnee die imposante Landschaft in ein sanftes Winterkleid taucht, wirkt die Nordatlantikinsel noch schöner, verträumter und magischer. 

Wer schon einmal in den Sommermonaten auf Island war, wird die nordatlantische Insel in der dunklen Jahreszeit kaum wiedererkennen. Noch faszinierender, noch rauer, noch schöner.  Nicht nur, dass die Tage deutlich kürzer sind, auch das Wetter ändert sich noch schneller. So scheint eine Stunde die Sonne, worauf es in Unmengen zu regnen beginnt, der Wind peitscht einem um die Ohren, ein paar Stunden später schneit es und abends klart der Himmel auf und man hat gute Chancen das Nordlicht am Firmament zu sehen. Das ist Island pur. Die Nordatlantik-Insel misst etwa 103.000 km2 - rund 11% der Insel sind von Gletschern bedeckt. Seine Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken macht Island zu einem Hot Spot vulkanischer und geothermischer Aktivität: Während der letzten beiden Jahrhunderte brachen 30 Vulkane aus, die nach der letzten Eiszeit entstanden, und das natürliche heisse Wasser versorgt den Grossteil der Bevölkerung mit umweltfreundlicher Heizenergie und lädt auf der ganzen Insel verteilt zum Wellness-Baden ein. 

Wichtig: Mieten Sie sich unbedingt einen guten Mietwagen mit Allradbetrieb – es lohnt sich definitiv. Die Ringstrasse wird zwar regelmässig von Schnee befreit, aber ich habe am eigenen Leib spiegelglatte Strassen erlebt, da ist man heilfroh, ein gutes Fahrzeug mit Spikes zu lenken, ansonsten kann aus den schönsten Tagen im Jahr schnell ein Albtraum werden. Wenn Sie spät auf Island ankommen oder früh zum Internationalen Flughafen Keflavik aufbrechen müssen, empfiehlt sich eine kuschelige Unterkunft wie das Nupan Deluxe in Flughafennähe: nette Gastgeber und sehr geschmackvolle Zimmer. Im Winter bietet sich die Umrundung der Ringstrasse an – die knapp 1500km sind in 10 Tagen gut zu schaffen, eine Woche ist schon sehr knapp bemessen, kann ein Schneesturm auch schon mal eine Strassensperrung zu Folge haben und einem einen Strich durch die Planung machen – so auch mir. Zum Glück findet man im Winter in der Regel auch kurzfristig immer noch eine Unterkunft. Was sich bewährt – mieten Sie sich für 2 - 3 Tage am selben Ort ein und unternehmen Sie von dort aus Ausflüge. Im Norden habe ich mit Einishus Cottages eine tolle Bleibe gefunden – verkehrstechnisch super gelegen zwischen der zweitgrössten Stadt Islands Akureyri, der Walhauptstadt Husavik und dem reizvollen Myvatn – die schroffe Schönheit der mondartigen Landschaft mit gurgelnden Schlammtöpfen, bizarren Lavaformationen, dampfenden Fumarolen und Kraterschlünden macht die Gegend um den See Myvatn zum grössten Schmuckstück der Region. Wenn Sie die Märchenlandschaft auch noch bei schönstem Winterwetter erleben, dann wirkt das schon fast unwirklich und wie von einer anderen Welt – einfach traumhaft schön! 

Wenn Sie gerne wellnessen und die Seele baumeln lassen, dann geht das in Island und speziell auch im Norden Islands bestens. Sei es im neuerbauten GeoSea in Husavik, wo Sie in 40° Grad warmem Thermalwasser freien Blick aufs Meer geniessen oder im Myvatn Nature Baths: Nordislands Antwort auf die Blaue Lagune ist kleiner und ruhiger, (noch) nicht so berühmt und billiger. Es ist ein himmlisches Gefühl, sich ins milchig-blaue, mineralreiche Wasser sinken zu lassen und das Krater-Panorama zu geniessen. Und nicht zu vergessen, der eigene Hotpot im Cottage – ein Whirlpool für sich alleine mit Blick auf den Sternenhimmel und die tanzenden Nordlichter. 

Ein grösserer längerer Stopp bei der Umrundung der Insel könnte im Südosten Islands sein. Hier locken ein paar reizvolle Ziele. Besuchen Sie Jökursalon, auf der Gletscherlagune treiben spektakuläre, leuchtend-blaue Eisberge, halten Sie nach Robben Ausschau oder nehmen Sie an einer Bootstour teil. Empfehlenswert ist auch eine Besichtigung einer blauschimmernden Eishöhle, die sich zwischen November und März am Rande der Gletscher bilden und so stabil sind, dass man diese gefahrlos besuchen kann. Wenn es die Bedingungen zulassen, dem sei eine Winterwanderung zum Svartifoss im Nationalpark Skaftafell empfohlen. Der Wasserfall wird von schwarzen Basaltsäulen flankiert und erstarrt im Januar oder Februar zu einer Eissäule. Ein Stück westwärts, rund um den unaussprechlichen Ort Kirkjubæjarklaustur, lohnen sich der Besuch des von der Natur geschaffenen Kirchenboden und die Schlucht Fjaðrárgljúfur, nicht erst seit Justin Bibers Musikclip-Dreh.

Auf der Weiterfahrt zurück Richtung Reykjavik locken mehrere Naturwunder zu einem kurzen Halt: In Vik der tiefschwarze Lavastrand mit seinen beiden Felsnadeln, die seit Jahrtausenden den Wellen in der tosenden Brandung trotzen. Ebenso sollte ein Abstecher zum Gletscher Sólheimajökull nicht fehlen, die Gletscherzunge reicht (noch) bis an den Talboden und ein paar Kilometer weiter donnert der Wasserfall Skogafoss wie ein Vorhang auf 25 Metern Breite ganze 60 Meter in die Tiefe – ein eindrückliches Naturschauspiel. 

Natürlich wäre eine Umrundung Islands ohne Besuch des berühmten Geysirs Strokkur nicht komplett. Ich habe mir dazu die im Alpenchic-Stil eingerichtete Unterkunft Breidablik Cabin ausgesucht – eine Stunde von Reykjavik entfernt und auf der Anfahrtsroute zum Goldenen Kreis ideal gelegen. Von hier aus ist man nach kurzer Anfahrt beim Geysir und blubbernden Schlammtöpfen, unweit davon entfernt rauscht das Wasser des imposanten Wasserfalls Gullfoss über zwei Kaskaden in die Tiefe. Zum Schluss eines ereignisreichen Tages darf ein Besuch im Thermalbad Secret Lagoon nicht fehlen, wo man seine müden Glieder im heissen Thermalwasser wunderbar regenerieren kann.


So kommen Sie hin:
nonstop ab Zürich mit Icelandair 

Wie lange soll ich hin:
7 - 14 Tage

Beste Reisezeit:
November bis März 

Highlights:
Nordlichter, Wasserfälle aus Eis und Schnee, Wellness

Wellness-Tipps:
www.geosea.is in Husavik
https://myvatnnaturebaths.is am Myvatn
https://vok-baths.is/en bei Egilsstadir
https://secretlagoon.is bei Fludir

Lodge-Tipp:
Flughafennähe: www.hotelnupan.com 
Nordisland: www.einishus.com
Südwestisland: http://arctichomes.net

Mehr Infos:
https://de.visiticeland.com

Aufgezeichnet von Michael Bachmann
Weitere Reisebilder unter www.kissed-by-nature.com